Dr. Armand Hausmann – Ihr Psychiater in Tirol
Depression – Atypische Depression

Tranylcypromin (Jatrosom®) ist ein wirksames Antidepressivum bei atypischer Depression

Tranylcypromin stellt eine Therapieoption bei sog. „therapieresistenter“ und chronifizierter Depression dar. „Therapieresistenz“ bedeutet nicht unbehandelbare Depression, sondern eine auf Standardtherapieverfahren nicht unmittelbar ansprechende Depression.

In diesen Fällen profitieren Patient*innen von Tranylcypromin. In vergleichenden Studien war Tranylcypromin (Jatrosom®) bei chronifizierter Depression anderen Antidepressiva gleichwertig oder überlegen. Tranylcypromin besitzt besonders stimulierende und antriebssteigernde Eigenschaften. Dieses Antidepressivum ist bei Patienten, bei denen sich die Depression vielfach als Müdigkeit und körperliche Niedergeschlagenheit zeigt, besonders gut wirksam.

Umstellung auf Tranylcypromin (Jatrosom®) und Kombination mit anderen Antidepressiva

Vor dem Wechsel auf Tanylcypromin ist eine Auswaschperiode des vorher eingenommenen Antidepressivums notwendig. Umgekehrt soll, bei Umstellung von Tranylcypromin auf ein anderes Antidepressivum, eine Auswaschphase von mindestens 2 Wochen eingehalten werden. Ihr Arzt wird mit Ihnen die jeweilig einzuhaltenden Zeitabstände besprechen. Prinzipiell sollte Tranylcypromin NICHT mit anderen Antidepressiva eingenommen werden. Eine Ausnahme stellt Amitriptyllin (Saroten), dar. Dieses Antidepressivum kann dazu benutzt werden die Auswaschphase des vorherigen Antidepressivums zu überbrücken bis die Therapie mit Tranylcypromin beginnt. Beide Medikamente können in Folge in Kombination verabreicht werden. Bei der Kombination von Amitriptylin und Tranylcypromin wurde eine nahezu identische Nebenwirkungsrate wie unter der Behandlung mit den jeweiligen Einzelpräparaten beobachtet.

Sollten Sie andere Medikamente einnehmen müssen, sprechen Sie mit Ihrem betreuenden Arzt über ev. zu erwartende Nebenwirkungen.

Ernährungsrichtlinien (Diät) bei Behandlung mit Tranylcypromin (Jatrosom®)

Unter einer Tranylcypromin Therapie muss eine spezielle Ernährungsrichtlinie (Diät) beachtet werden. Das heißt, bestimmte Lebens- und Genussmittel dürfen Sie während der Behandlung sowie 1 Tag vorher und bis 14 Tage nachher nicht essen oder trinken.
Grund für diese Beschränkungen ist das in diesen Lebensmitteln vorkommende Tyramin und andere sogenannten biogene Amine.
Wegen der Hemmung des Enzyms Monoaminoxidase (MAO) durch Tranylcypromin (Jatrosom®) in Darm und Leber erfolgt keine ausreichende Entgiftung der biogenen Amine bei Aufnahme in den Körper. Die normale Schutzfunktion, die dem Menschen auch fermentierte und sogar leicht verdorbene Nahrung verträglich macht ist also zu einem gewissen Grad ausgeschaltet. Es werden nur noch sehr viel geringere Mengen biogener Amine vertragen als normal. In diesen Fällen kann es zu Bluthochdruckkrisen kommen.

Es lassen sich folgende Gruppen von Nahrungsmitteln mit erhöhtem Gehalt an biogenen Aminen unterscheiden. Diese Nahrungsmittel sind für Sie während Tranylcypromin-Behandlung unter Umständen gefährlich. Lesen Sie die unten beigefügte Liste der zu meidenden Lebensmittel auch später immer wieder durch, wenn Sie sich bei den Mahlzeiten unsicher sind.
Moderne Lebensmittel sind weitestgehend Tyraminarm. Die Tranylcypromin (Jatrosom®) -Diät ist auch in der allgemeinen Betrachtung eine gesunde Diät, da Wert auf Frische der Lebensmittel gelegt wird (z.B. Fisch, Fleisch und Fleischwaren) Die Ernährungsrichtlinien sind nach anfänglicher Eingewöhnung letztlich gut handhabbar. Die Einschränkungen durch die Ernährungsrichtlinien sind letztendlich insgesamt gering.

Als Faustregel gilt:
Vermeidung von verdorbenen eiweißhaltigen Nahrungsmitteln (z.B. verdorbener Fisch und Fleisch, zu alter und verdorbener Wein)
Vermeidung von durch Fermentierung gewonnenen, verfeinerten oder haltbar gemachten Nahrungsmitteln (z.B. stark gereifte Käsesorten, ausgereifte Salami, bestimmte Hefeprodukte, Bier, Wein, Tofu). Dabei wird ein gewisser Grad an Fermentierung in Kauf genommen (z.B. Matjeshering, Trockenfisch, kalt geräucherter Fisch wie Räucherlachs)
Vermeiden von einigen tierischen Produkten (z.B. Rinder-, Geflügel- und Dorschleber, Nieren)
Vermeiden von einigen Pflanzen (z.B. dicke Bohnen, Bananenschale und sehr reife Bananen, Kakao je nach Anbaubedingungen, Walnuss, hochreife Birnen, hochreife Avocados)

Bei begangenen Diätfehlern
Es können vorkommen: Herzklopfen, pochender Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Bluthochdruck, bis hin zu Bluthochdruckkrisen (z.B. bei Genuss von stark gereiftem Käse). Der Beginn der Symptome kann plötzlich ca. 10 Minuten bis ½ Stunde nach Diätfehler mit Dauer bis zu ca. 2 bis 5 Stunden, auftreten.
In äußerst seltenen Einzelfällen wurden nach der Einnahme bei Einnahme großer Mengen von Tyramin intrakranielle Blutungen berichtet.
In den 1960er Jahren, also in Zeiten in denen es keine Diätvorschriften gab, waren Todesfälle ein äußerst seltenes Ereignis. Die Epidemiologie zu Fehlern bei der Diät betrug in England (1970 bis 1980) 15 Todesfälle bei 3,5 Mio Patienten (0,0004%)

Die Vorgehensweise bei Verdacht auf Bluthochdruckkrise infolge Diätfehler: Ruhe bewahren und Hinlegen zumeist ausreichend, eventuell Notarzt.

Diät-Informationen für Patient*innen.

atypische depression 1

Diät unter Tranylcypromin

aus Köhler et al. 2014

atypische depression 2

Alternativen zu den „verbotenen“ Lebensmitteln

aus Aristo Pharma Österreich Infoblatt

atypische depression 3
Univ.-Prof. Dr. Armand Hausmann

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